website security Gymnasium in der Weimarer Republik
Aus der Geschichte des Gymnasiums Oberursel (Taunus)

Die Zeit der Weimarer Republik


von Dr. Christoph Müllerleile

Die Folgen des Ersten Weltkriegs machten Oberursel sehr zu schaffen. Die Stadt war zur „neutralen Zone“ erklärt und grenzte direkt an das französisch besetzte Rheinland, das am Stierstadter Zollhaus begann und die Hohe Mark einschloss. Das Städtchen zählte wenig mehr als 8.000 Einwohner, nach der Eingemeindung von Bommersheim im Jahre 1929 knapp 11.000.
Die Oberurseler Betriebe mussten sich von Rüstungs- auf Friedensproduktion umstellen. Rohmaterial war knapp, die Preise stiegen steil an. Die Zahl der Arbeitslosen und damit der Fürsorgeempfänger wuchs. Der Wert des Geldes sank ins Bodenlose. Wegen Geldknappheit gaben die Stadt Oberursel und die Firmen ab August 1923 an ihre Lohnempfänger und Auftragnehmer nur noch Wertgutscheine aus. Ab 1924 verzeichneten die Oberurseler Betriebe eine dramatische Verschlechterung ihrer Auftragslage. Im selben Jahr kam es zum Währungsschnitt. Für eine Billion Reichsmark gab es eine neue Rentenmark.
Bezahlbare Wohnungen waren knapp. Die steigende Wohnungsnot führte zum Bau von mehreren neuen Siedlungen. Die Stadt setzte auf Bevölkerungszuwachs und wollte möglichst viele Großstädter nach Oberursel holen, um die allgemeinen Lasten auf viele Schultern zu verteilen und die überdimensionierten kommunalen Einrichtungen, einschließlich der höheren Schulen, besser auszulasten. Um Bauland und zusätzliche Einwohner zu gewinnen, gelang nach fünfzehnjährigem Werben 1929 die Eingemeindung von Bommersheim. (Baeumerth 283 – 286)
Die schwierige wirtschaftliche und soziale Lage verbunden mit wachsender Arbeitslosigkeit führte zu reichsweiten Demonstrationen von Parteien und Gewerkschaften. Die Oberurseler bekamen das am 4. Juli 1922 zu spüren, als Demonstranten der drei sozialistischen Parteien sich auf dem Marktplatz versammelten, die Türen zum Turm der nahen St. Ursula-Kirche aufbrachen, die Glocken läuteten und durch die Stadt zogen. Ziel einiger Demonstranten waren die höheren Schulen, die Oberrealschule und das Lyzeum. Es war offenbar verabredet, die Bilder der kaiserlichen Hoheiten aus den Aulen der Schulen zu entfernen. Jedenfalls lagen die Bilder der Kaiser Wilhelm I. und II. und Friedrich II. in der Oberrealschule schon zur Abholung bereit und brauchten nur noch auf die Straße geschleppt und demonstrativ vernichtet zu werden. Im Lyzeum wurden die Bilder der Kaiserin Augusta Victoria und der Kronprinzessin abgehängt und auf der Straße verbrannt. In beiden Fällen ging es ohne sonstige nennenswerte Sachschäden ab. Die Täter wurden allerdings angezeigt. (Baeumerth 284)
Ansonsten verlief die politische Entwicklung in Oberursel in der Regel friedlich. Die KPD saß neben SPD, Zentrum und Bürgerlichen in der Stadtverordnetenversammlung. Erst im Dezember 1929 kam es in Oberursel im zweiten Anlauf zur Gründung einer NSDAP-Ortsgruppe, und erst ab 1930 hatten die Nazis in Oberursel Erfolg bei den Reichstagswahlen. Ins Stadtparlament zogen sie erstmals 1933 ein, dann aber gleich als stärkste Partei. Bis dahin hatten sich SPD und Zentrum diese Rolle geteilt.
Aus der Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung am 17. November 1929 gingen die SPD mit 30,0 %, das Zentrum mit 29,3 %, die Bürgerliche Vereinigung mit 29,8 % und die KPD mit 10,9 % hervor. Bei der nächsten Kommunalwahl am 12. März 1933 sanken die Stimmenanteile der seither dominierenden Parteien dank des Erfolgs der NSDAP mit ihren 33,2 % auf 16,5 % für die SPD, 22,1 % für das Zentrum, 12,6 % für die Bürgerliche Vereinigung, 11,1 Prozent für die KPD und 4,5 % für Sonstige.
Die Stadtverordnetenversammlung wählte den Magistrat. Beide Organe mussten zustimmen, wenn Beschlüsse wirksam werden sollten. An der Spitze des Magistrats stand der von der Stadtverordnetenversammlung gewählte Bürgermeister. Die frei gewählte Stadtverordnetenversammlung wurde Ende 1933 aufgelöst.

Oberrealschule entwickelt sich langsam
Die Stadt war Schulträger. Lehrerinnen und Lehrer und das sonstigen Schulpersonal waren städtische Beamte und Angestellte. Nicht alle politischen Mandatsträger konnten sich für höhere Schulbildung erwärmen, schon gar nicht, wenn sie Steuergelder kostete. Es ist vor allem Bürgermeister Josef Füller zu verdanken, dass eine Kleinstadt wie Oberursel sich mit der Oberrealschule und dem Lyzeum zwei höhere Schulen leistete.
Füller regierte die Stadt von 1897 bis Ende 1926, also 29 Jahre lang, wurde 1926 Ehrenbürger, und noch im selben Jahr bekam die Straße, an der wohnte, seinen Namen. Er verlor seinen einzigen Sohn, sein einziges leibliches Kind, im Ersten Weltkrieg. Trotzdem und vielleicht gerade deswegen setzte er sich für das Wohl der Töchter und Söhne anderer Eltern ein. Er konnte im Gegensatz zu seinem Nachfolger Karl Horn lange aus dem Vollen schöpfen, denn Oberursel ging es bis 1918 gut. Gegen den Widerstand der übergeordneten Behörden setzte Füller mit der Mehrheit des Stadtparlaments die Errichtung der Oberrealschule durch, allerdings mit dem Versprechen, für Bau, Betrieb und Personal keine Staatszuschüsse in Anspruch zu nehmen.
Zum Einzugsgebiet für die Oberrealschule zählten Bommersheim, Stierstadt, Weißkirchen, Steinbach, Oberhöchstadt, das Eichwäldchen-Gebiet von Oberstedten, Arnoldshain und Schmitten. Etwa ein Viertel der Schülerinnen und Schüler kam von außerhalb der Stadt.
Die Schülerzahlen entwickelten sich nicht kontinuierlich nach oben. Der kriegsbedingte Geburtenrückgang und das zu zahlende Schulgeld sorgten dafür, dass die Schülerzahlen 200 nicht wesentlich überstiegen. An Ostern 1919 besuchten 194 Schüler die Oberrealschule, davon sieben die Oberprima (13. Klasse). Alle sieben bestanden die Reifeprüfung.
Jeder an der Oberrealschule kannte jeden. Das Lehrerkollegium war mit elf Lehrern und zwei nebenamtlich tätigen katholischen Geistlichen recht überschaubar. Die jüngeren Schüler schauten zu den Älteren auf; die Älteren unterstützten die Lehrer bei der Pausenaufsicht. Zu den 194 kamen damals zwanzig Teilnehmer an einem einjährigen Sonderkursus für Kriegsheimkehrer zur Vorbereitung auf die Kriegsreifeprüfung. 16 davon konnten im Dezember 1919 ihr Reifezeugnis entgegennehmen.
Die Schule hatte seit 1912 fast unverändert zehn Klassenräume, sechs Fachräume, Aula, Turnhalle, Verwaltungsräume, Räume für Sammlungen, Schüler- und Lehrerbücherei und ein kleines Lehrerzimmer bei einer Kapazität für 290 Schüler, die erst 1939 erreicht wurde. Die Klassenstärken betrugen maximal 30 Schüler. Bis 1926 wurden Unter- und Oberprima zusammen unterrichtet. Ansonsten gab es bis 1934 jeweils eine Klasse pro Jahrgang; erst danach mussten Klassen geteilt werden, weil der Andrang in der Unterstufe größer wurde.
1925 besuchten 175 Schüler die Oberrealschule, sechs machten Abitur, die Hälfte Mädchen. Sie wurden von elf hauptamtlichen und zwei nebenamtlichen Lehrern, alle männlich, unterrichtet. 1934, also drei Jahre nach der Zusammenlegung mit dem Lyzeum, zählte die Schule 201 Schüler, 123 Jungen und 78 Mädchen, die von 14 hauptamtlichen Pädagogen, elf männlichen und drei weiblichen, und dem nebenamtlichen katholischen Pfarrer und einem Kaplan unterrichtet wurden.
Ab 1924 erfolgte die Umstellung von Gasbeleuchtung auf elektrische Beleuchtung. Seit 1925 war die Schule telefonisch erreichbar. 1928 bekam sie vom Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau ein Rundfunkgerät mit Lautsprechern geschenkt, das allerdings durch den benachbarten Straßenbahnbetrieb erheblich gestört wurde.
Abschlussklasse Einjährige

Abschlussklasse „Einjährige“ ca 1920 Oberrealschule Oberursel., später „Obersekundareife“ genannt. mit Studienrat Arnold Wicke (genannt „Kutscher“) vor dem Hauteingang in der Liebfrauenstraße. Schülerjahrgang 1904. Von links nach rechts 3. Reihe X, Willi Hahn, Adi Kopp, X, Egon Lengerlin. 2. Reihe Studienrat Wicke, Werner Fastnacht, Walter Batzen, X, Henry Abt, X, X. 1. Reihe X, Winfried Clemens, X, Fritz Straub, X, X. (Personenidentifizierung von Manfred Kopp, Sohn von Adi Kopp). Archiv Manfred Kopp, Oberursel.

Primaner Gymnasium Oberursel 1920-21 mit Dr. Israel

Primaner 1920/21 mit Schulleiter Dr. Israel. Foto: Schularchiv


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Klassenfoto der Sexta 1922-23 an der Oberrealschule Oberursel. Stadtarchiv Oberursel

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Klassenfoto einer Untertertia mit Studienassessor Julius Langen, aufgenommen 1927/28. Fotograf Karl Antjes, Frankfurt am Main

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Untersekunda 1932. 1. Reihe links Gisela Helfrich, rechts Ruth Kaufmann. 2. Reihe 2.v.r. Josef Weis, 3. v.r. Gerda Weis, 4.v.r. Ulli Wicke, 3. Reihe v.l.n.r. Karl Schenkelberg, Georg Hieronymi. Hintergrund Studiendirektor Karl Müller, Studienrat Dr. Heinrich Wenz (Spitzname "Modus"). Stadtarchiv Oberursel

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Der spätere Abiturjahrgang 1937 Anfang der Dreißigerjahre, mit den Studienräten Dr. Theodor Jilke (Mitte hinten) und Johannes Schreiner (hinten links). Foto aus dem Besitz von Hans Stoll

Schulgeld und Spenden mussten Lücken schließen
Die Stadt Oberursel konnte das Geld für die Unterhaltung der Schulen und die Besoldung der Bediensteten kaum aufbringen. Dafür sorgten nicht zuletzt die große Geldentwertung zwischen 1919 und 1923 und die Wirtschaftskrise von1929. Um Heizkosten zu sparen wurden anfangs die Herbstferien in die kalte Jahreszeit verschoben. Unterhaltungsmaßnahmen wurden zögerlich und erst nach mehrfachem Mahnen der Schule finanziert.
Die Schule war in weiten Teilen auf Spenden angewiesen, so auch bei der größten Umbaumaßnahme während des Berichtszeitraums, der Einrichtung eines Chemieübungsraums für Schüler zusätzlich zu dem bereits vorhandenen Lehrsaal. Er war im Raumprogramm des Neubaus von 1913 eingeplant. Die Stadtverordnetenversammlung wollte die Mittel dafür aber nicht bereitstellen. Die Übungen fanden deshalb im Keller statt.
Erst 1926 konnte auf beharrliches Drängen von Chemielehrer Dr. Theodor Jilke mit dem Umbau begonnen werden. Mit der Zusammenlegung zweier Klassenräume entstand im zweiten Obergeschoss vor dem Vorbereitungsraum ein 13 Meter langer und 6 Meter breiter Saal, in dem Schüler experimentieren konnten. 5.000 Mark Zuschuss kamen von den Schulbehörden, 5.000 von der Stadt, dazu zahlreiche Spenden. Im Januar 1927 konnte der Raum in Betrieb genommen werden.

Chemischer Übungsraum 1927
Chemischer Übungsraum der Oberrealschule 1927 mit Chemielehrer Dr. Theodor Jilke. Aus: Bericht über das Schuljahr 1926/27 der Oberrealschule Oberursel.

Die Eltern mussten Schulgeld zahlen, damit ihre Kinder die höhere Schule besuchen konnten. Es betrug 1926 bis 1945 für Oberurseler Schülerinnen und Schüler 200 Reichsmark, etwa 700 Euro nach heutigem Wert, für Auswärtige 250 Reichsmark pro Jahr. Der Betrag war in monatlichen Raten zu zahlen. In Jahren mit galoppierender Inflation wurden die Beträge von der Stadt anhand des Dollar-Briefkurses monatlich festgelegt und von Mitarbeitern der Stadtkasse klassenweise in bar bei den Schülern einkassiert.
Die Eltern hatten dafür zu sorgen, dass ihre Kinder Bücher und anderes Lernmaterial bekamen. 1924 gab es keine neuen Schulbücher zu kaufen. Höhere Klassen waren gehalten, ihre an die unteren weiterzugeben. Mit Nachbarschulen, deren Lehrpläne sich geändert hatten, wurde getauscht.
Eltern, die sich das Schulgeld nicht leisten konnten, konnten eine teilweise oder gänzliche Freistellung beantragen. Bedingung für die Befreiung waren einwandfreies Betragen, gute Begabung und Fleiß. Für minderbemittelte Schüler gab es kostenlose Bücher aus der Hilfsbücherei der Schule. 1928 beantragten Eltern von fast einem Fünftel der Schülerinnen und Schüler ganze oder teilweise Freistellung vom Schulgeld.
Um nicht gänzlich auf zufällige Spenden und gelegentliche Zuschüsse der Stadt angewiesen zu sein, gründeten Lehrer und Eltern am 19. November 1925 den „Musik- und Turn-Verein an der Oberrealschule zu Oberursel“, einen 1936 durch die Nazis verbotenen Vorläufer des heutigen Förderforums. Aufgabe des Vereins war die Pflege der Musik und der Leibesübungen. Er veranstaltete das sommerliche Schulturnfest und den musikalischen Abend im Winter, außerdem jährlich eine mehrtägige Wanderfahrt der oberen Klassen und der Schulleitung, zum Beispiel nach Köln zur 100-Jahr-Feier der Zugehörigkeit des Rheinlandes zum Deutschen Reich, in das Waldecker Land und in den Spessart nach Aschaffenburg, Wertheim und Würzburg.
Eine weitere Vereinigung an der Schule war die Schulgruppe des Vereins für das Deutschtum im Ausland (VDA). Sein Ziel war die Pflege der Bindungen der Auslandsdeutschen an Deutschland, vor allem durch deutschen Schulunterricht, was angesichts des Verlusts der deutschen Kolonien und der Probleme der deutschen Bevölkerung in anderen Auswanderungsgebieten als wichtige Gemeinschaftsaufgabe galt.

Niedrige Abschlussquote
Trotz des Schulgeldes war die Oberrealschule nie eine Standesschule. 1934 gehörten 60 % der Eltern zu den so genannten besser gestellten Familien, 1951 nur noch 20 %. Die besser gestellten Eltern waren meist Freiberufler, Beamte und höhere Angestellte, die sich um die Aufstiegschancen der Kinder sorgten. Weniger vertreten waren Kinder aus dem Arbeitermilieu, von Handwerkern und Landwirten. Viele besuchten die Oberrealschule nur bis zum Ende der Schulpflicht, also bis zum Ende der Untertertia (8. Klasse), manche bis zur mittleren Reife nach der Untersekunda (10. Klasse). Nur eines von zwanzig Kindern gelangte bis zur Reifeprüfung, wer aber einmal in der Oberprima (13. Klasse) war, schaffte auch das Abitur.
Kurz vor Schuljahresende fanden schriftliche und danach mündliche Prüfungen statt. Besonders guten Schülerinnen und Schülern wurde die mündliche Prüfung erlassen. Diese Auszeichnung fand in den jeweiligen Jahresberichten Erwähnung.
Als bevorzugte Berufe gaben die Abiturienten 1934 in dieser Reihenfolge Lehrberuf, Ingenieur, Mediziner, Jurist und kaufmännische Berufe an.

Süß lächelnd auf den Freier warten
Das wohl einschneidendste Schulereignis in der Weimarer Zeit war die Auflösung des Lyzeums durch Zusammenlegung mit der Oberrealschule am 1. Oktober 1931.
Schulleiter Dr. Peter Wachter war ein energischer Verfechter höherer Schulbildung für Mädchen. In den Zeiten wirtschaftlicher Not sei eine gediegene Schulbildung für die heranwachsende weibliche Jugend eine ebenso unumgängliche Notwendigkeit wie für die männliche. Man könne wohl sagen, fast alle Eltern könnten ihren Töchtern in die Zukunft als das einzige sichere Kapital eine gute Schulbildung mitgeben „zum Kampfe und zur Behauptung im Leben“, schrieb er im Jahresbericht der Schule. Den Eltern der Schülerinnen werde deshalb erneut empfohlen, ihre Töchter bei nötiger Befähigung das Lyzeum ganz durchlaufen zu lassen. Dass die auch von der Mittelschule erteilte mittlere Reife alleine, ohne Berechtigung zum Eintritt in die Obersekunda, nicht genüge, sondern ein Bedürfnis nach Weiterbildung vorhanden sei, beweise die Tatsache, dass von den Ostern 1927 abgegangenen Untersekundanerinnen zwei an ein Frankfurter Oberlyzeum und zwei an die hiesige Oberrealschule weitergingen. (Jahresbericht über das Städtische Lyzeum vom Mai 1927, S. 11).
Den Übergang der Mädchenschule von der allgemeinen zur berufsorientierter Bildung beschrieb Wachter in einer Rede zur 25-Jahr-Feier der Schulträgerschaft der Stadt: „Bis etwa 1908 setzte sich die höhere Mädchenschule in der Hauptsache das Ziel, die Töchter der besseren Stände salonfähig zu machen, ohne dem Wissen, einen gediegenen Grund und Abschluß zu geben. Die ‚höhere Tochter’ saß eben nach Verlassen des Lyzeums zu Hause und wartete süßlächelnd auf den Freier, dem sie vermöge ihrer sogenannten Allgemeinbildung eine Lebensgefährtin mit Hingabe an seine geistigen Interessen sein wollte. <...> Die schweren Zeiten stellen im Daseinskampfe enorme Anforderungen an den Einzelnen, Um nun die Mädchen zu befähigen, diesem Kampf im späteren Leben nicht zu unterliegen, mußte naturgemäß der Unterricht neue Wege einschlagen. Betonte seit 1908 die Schule mehr die intellektuelle Seite, so sucht man heute den jungen Menschen in allen seinen Kräften zu erfassen, vor allem die Mädchenpsyche ihrer Eigenartigkeit nach zur Entwicklung zu bringen, um sie zu rüsten für die hohen Anforderungen, die in unserer Zeit an die Frau und Mutter gestellt werden. Ja, ich kann wohl sagen, daß das Leistungsprinzip bei Mädchen, hat man das Ganze im Auge, im Verhältnis zu dem der Knaben unvergleichlich hoch steht. Sollen doch unsere Mädchen nicht nur geistig, seelisch und körperlich für ihren natürlichen Beruf als Frau und Mutter ertüchtigt werden, sondern auch noch das Wissen und Können sich aneignen, das sie in den Stand setzt, gegebenenfalls im Berufsleben dem Manne gleich ihren Platz auszufüllen.“ (Jahresbericht Lyzeum S. 16)
Die vorgeschriebene Schulzeit bis zur mittleren Reife betrug bis Ostern 1925 für Mädchen sieben Schuljahre, für Jungen nur sechs. Am Lyzeum gab es eine „Septima“ als koedukativ geführte Eingangsklasse. Mit der Schulreform von 1925 genügten sechs Schuljahre, von der Sexta bis zur Untersekunda. 1919 betrug die Zahl der Schülerinnen 289, 1926 nach Wegfall der Eingangsklasse nur noch 131.
1931 wurde das Lyzeum aufgrund der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt aufgelöst. Dem ging eine jahrelange Diskussion der Stadt mit allen Beteiligten voraus. Die Schülerinnen gingen danach zum Teil auf die Oberrealschule; viele scheuten die Koedukation und nahmen die Fahrt nach Königstein und nach Frankfurt zu den Ursulinen oder zur Maria-Ward-Schule nach Bad Homburg in Kauf.
Mit der Auflösung war zumindest Schulleiter Dr. Wachter keineswegs einverstanden. Als Bürgermeister Horn den endgültigen Beschluss zur Zusammenlegung vor einer in der Aula des Lyzeums zur Verabschiedung von Oberschullehrerin Klara Granzow versammelten Festgemeinde bekannt gab, stand Wachter demonstrativ auf, durchschritt den Saal und warf die Tür hinter sich zu.
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Das Lyzeumsgebäude an der Oberhöchstadter Straße beherbergt heute die Polizeistation von Oberursel; die ehemalige Aula ist der Georg-Hieronymi-Saal. Foto: Wikimedia Commons

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Zeugnis des Städtischen Lyzeums Oberursel für die Schülerin Gisela Gregory, Schuljahr 1925/26, Unterschrieben von Oberschullehrerin Klara Granzow, Schulleiter Dr. Peter Wachter und Vater A. Gregory. Ähnlich waren die Zeugnisse an der Oberrealschule gestaltet. Stadtarchiv Oberursel.

Schulalltag an der Oberrealschule
Die Schulzeit bestand aus vier Grund- und neun Oberschuljahren. Die Schulpflicht endete mit der achten Klasse. Wer nach der Grundschule auf eine höhere Schule gehen wollte, musste am Ende der 4. Klasse eine einwöchige Aufnahmeprüfung bestehen. Die folgende Sexta (5. Klasse) galt als Probejahr.
Der Unterricht begann in der Regel um 8 Uhr und endete um 13 Uhr. Die Zahl der Unterrichtsstunden wurde mit der preußischen Schulreform von 1925 auf 30 Wochenstunden begrenzt. Die Lehrer hatten 25 Pflichtstunden. Lehrfächer waren Religion, Deutsch, Französisch, Englisch, Latein, Geschichte und Staatsbürgerkunde, Erdkunde, Rechnen und Mathematik, Naturkunde/Biologie, Physik, Chemie, Zeichnen, Gesang, Leibesübungen (Turnen und Turnspiele). Für die Mädchen kamen Nadelarbeit und am Lyzeum Kurzschrift dazu. Beim Schultyp Ober-Real-Schule standen die Sprachen Französisch und Englisch und technische Fächer im Vordergrund, im Gegensatz etwa zum humanistischen Gymnasium mit Latein und Griechisch als ersten Fremdsprachen. Französisch war erste Pflichtsprache und wurde ab Sexta unterrichtet, Englisch zweite ab Quarta. Latein konnte freiwillig ab Obersekunda dazugenommen, Altgriechisch in einer Arbeitsgemeinschaft gelernt werden.
Die Notenskala reichte von 1-5. Eine 4 war nicht mehr genügend.
Die Schülerhandschrift war laut Ministererlass vom 31.12.1926 zu pflegen, Mangel an Ordnung in den Heften nachdrücklich zu bekämpfen.

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Unterrichtsverteilung an der Oberrealschule Oberursel im Sommerhalbjahr 1924. Quelle: Jahrbuch Oberrealschule 1924/25. Stadtarchiv Oberursel

Lauftraining auf der Straße
Einmal wöchentlich nachmittags fanden in den ersten Nachkriegsjahren Turnspiele sämtlicher Klassen auf der Stierstadter Heide statt; jeden Sommer gab es ein großes Turnfest der Schule. Mit anderen Schulen und Vereinen wurden in Bad Homburg Reichsjugendwettkämpfe in diversen Leichtathletikdisziplinen ausgetragen. In Oberursel gab es noch keinen dafür geeigneten Sportplatz, ebenso kein Schwimmbad.
Der Turnunterricht fand im allgemeinen in der Turnhalle, bei schönem Wetter im Freien auf dem Schulhof statt. Für Laufübungen stand die damals noch nicht geteerte Liebfrauenstraße zur Verfügung, für Sprungübungen eine Sandgrube auf dem Schulgelände. Zum Umkleiden gab es einen kleinen Vorraum zur Turnhalle; Duschgelegenheiten kamen erst Ende der Fünfzigerjahre dazu.
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Abiturzeitung „Mulus“ von 1926. Abiturientin Annegret Brill karikiert Turn-Spiele, also Kartenspiele, die am Rande des Turnunterrichts im Freien heimlich gespielt wurden. Die Turnkleidung der Herren mutet seltsam an.

Der Turnunterricht fand nach Mädchen und Jungen getrennt statt. Die Ansichten, ob es sich für junge Damen überhaupt geziemte, öffentlich Sport zu treiben, gingen weit auseinander. An den Reichsjugendwettkämpfen von 1926 in Bad Homburg beispielsweise nahmen zwar 37 Schülerinnen des Oberurseler Lyzeums teil, 32 weitere mussten auf Geheiß ihrer Eltern jedoch zuhause bleiben, weil sie, wie es im Schulbericht heißt, moralische Bedenken gegen öffentliche Schauturnen von Mädchen hatten.

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Urkunde vom Sportfest der Oberrealschule Oberursel vom 20. August 1926 für den Schüler W. Quirin. Quelle: Stadtarchiv Oberursel

Für den praktischen Anschauungsunterricht in Biologie gab es den Schulgarten, der erst Ende der Fünfzigerjahre einem Anbau wich. Für Chemievorführungen stand der schon erwähnte Chemieübungsraum im 2. Obergeschoss bereit.
Sehr viel Wert wurde auf die Schülergesundheit gelegt. Um Ernährungsmängeln zu begegnen, gab es bis 1925 Schulspeisungen, danach Milchverkauf durch den Hausmeister. Die Schülerinnen und Schüler wurden regelmäßig schulärztlich untersucht. Der Gesundheit dienten auch gemeinsame Wandertage in den Taunus.

Kultur, Feste und Feiern
Ab 1924 gab es ein Schülerorchester unter der Leitung von Musiklehrer Josef Hoffbauer, der an Oberrealschule und Lyzeum zugleich lehrte. Der musikalische Abend des Orchesters im Herbst gehörte zu den kulturellen Höhepunkten Oberursels.
Gelegentlich gab es Filmvorführungen in der Aula und Vorträge von Schriftstellern, Pädagogen und Wissenschaftlern über Themen von allgemeinem Interesse.
Mehrfach im Jahre gab es behördlich vorgeschriebene Gedenkveranstaltungen, alljährliche wie zum Verfassungstag am 11. August und einmalige zur 100. Wiederkehr des Todestages von Pestalozzi, als Trauerfeier für den verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert oder zum 80. Geburtstag von Reichspräsident von Hindenburg. Zum Jahreszyklus gehörten auch eine Weihnachtsfeier und eine Feier zum Schuljahresabschluss.
Besonderer Höhepunkt des Jahres war die Übergabe der Reifezeugnisse an die Schülerinnen und Schüler, die es geschafft hatten. Die Feiern in der Aula waren verbunden mit den üblichen Reden und Zeugnisübergaben. Danach wurde im „Schützenhof“ weiter gefeiert und getanzt. Die Abiturienten gaben eine Abiturzeitung heraus, meist in gedruckter Form. Aus der Abiturzeitung von 1921 stammt folgende Betrachtung:

Was ist ein Abiturient?
Ein Abiturient ist ein:
Mit Wissen beladenes
Zur Prüfung trabendes
Mordsmäßig Angst habendes
In der Wissenschaft wühlendes
Unbehaglich sich fühlendes
Über Lehrsätzen grübelndes
Auf Holzbänken sitzendes
Sein Herzblut verspritzendes
Bei Fragen schwitzendes
Falsche Antworten gebendes
In Todesangst schwebendes
Zur Hälfte nur lebendes
Beim Schluß aufatmendes
In der Freude sich badendes
Die Prüfung bestanden habendes
Vielgeplagtes Individuum!

wurstblatt_1931
Abiturzeitung Wurstblatt 1931 der Oberrealschule Oberursel.

Die Lehrer haben das Sagen
Die Lehrer der Oberurseler Schulen waren stadtbekannte Persönlichkeiten, die viele Jahrgänge von Kindern und Jugendlichen unterrichteten. Viele Pädagogen waren in Kirchen und Vereinen aktiv. Einige unterrichteten an zwei Schulen. Lehrerinnen mussten bis zum Ersten Weltkrieg bei Verheiratung aus dem Schuldienst ausscheiden. Viele blieben auch danach ehelos, und für sie waren ihre Schülerinnen und Schüler Ersatzfamilie.
Die Schüler unterlagen in vielen ihrer Tätigkeiten pädagogischer Kontrolle. In der Kleinstadt sprach sich rasch herum, wer über die Stränge schlug. Privatunterricht nehmen, ohne Begleitung Erwachsener Konzert, Theater und Kino besuchen wie auch dabei mitwirken, bedurfte der Erlaubnis des Klassenlehrers bzw. des Direktors. Alleine Gaststätten zu besuchen und Tabak in der Öffentlichkeit zu rauchen war streng verboten. Selbst wer am Fenster der eigenen Wohnung rauchend gesehen wurde, konnte bestraft werden. Die Schüler sollten sich stets eines anständigen und gesitteten Betragens befleißigen, wie es sich für Schüler einer höheren Lehranstalt geziemt, heißt es in Appellen und Schulordnungen
Bild: Abiturzeitung Mulus eingebildeter Abiturient Karikatur Brill 1926.jpg: Abiturzeitung „Mulus“ von 1926. Zeichnung der Abiturientin Annegret Brill, die das Verhältnis Lehrer-Schüler karikiert..
Wer die höhere Schule besuchte, zeigte das auch gerne auf der Straße. Bis in die Nazizeit hinein war das Tragen von Schülermützen vor und nach dem Unterricht für Schülerinnen und Schüler von Oberrealschule und Lyzeum üblich. Die Mützen gab es beim Hutgeschäft Kaben in der Vorstadt. Die Farbe unterschied sie nach Schulstufen und -klassen. Die Mützen sorgten allerdings auch für noch stärkere Abgrenzung von Alterskameraden, die auf der Volksschule geblieben waren. Wenn sie sich nicht in der Nachbarschaft oder innerhalb einer Jugendgruppe sah, lebten sich die Kinder und Jugendlichen rasch auseinander. Schon die Lage der Oberrealschule am Rande der Stadt machte sie zu etwas Besonderem.

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Typische Schülerkleidung der Gründerjahre der Oberrealschule mit den Schülermützen. Zeichnung von Georg Hieronymi, der selbst Schülermützen trug. Aus: Gymnasium Oberursel - 1913-1963 - 50 Jahre.
Verboten war an der Schule jegliche Art von politischer Betätigung. Selbst das Tragen von Abzeichen jeglicher Art innerhalb von Schulräumen war durch Verordnung des Provinzialschulkollegiums untersagt. Abzeichen mit den National- oder Landesfarben waren an Festtagen ausnahmsweise zugelassen.
Im Unterricht waren Parteipolitik und Ideologien verpönt. Die Themen der Deutschaufsätze verraten zwar einiges vom Zeitgeist, sind aber weit von radikalen Ansichten entfernt. Die Auswahl der Unterrichtslektüre lässt wenig Tendenzen erkennen. Eine Rolle spielt häufiger die Reflektion des Aufstiegs und Untergangs von Großmächten.
Nur wenige Pädagogen betätigten sich politisch. Dr. Josef Messerschmitt war Stadtverordneter und vor der Auflösung des Stadtparlaments 1933 Stadtverordnetenvorsteher. Dr. Theodor Jilke amtierte wegen Erkrankung nur kurz als Stadtrat. Beide gehörten dem katholischen Zentrum an.

Religion trennt und eint
Eine besondere Rolle spielten Religion und Religionsunterricht. Katholische Religion gab Dekan Max Friton mit einem seiner Kapläne persönlich, evangelischer Religionsunterricht wurde meist von ausgebildeten Religionslehrern erteilt. Keine Statistik kam ohne Nennung der Religionsbekenntnisse aus, wobei der überwiegende Teil der Schülerinnen und Schüler an der Oberrealschule und am Lyzeum evangelisch war, im Gegensatz zur stark katholischen Mehrheit in der Oberurseler Bevölkerung. Dies spielte im Freizeitverhalten und bei der Eheschließung und Erziehung der Kinder eine erhebliche Rolle. Vor allem Dekan Friton war jede ökumenische Gesinnung fremd.
Nur wenige Schülerinnen und Schüler bekannten sich zum jüdischen Glauben. Vom Ursprung her jüdische Glaubensangehörige wie die Familie Feinberg, von der mehrere Kinder die Oberrealschule und vermutlich auch das Lyzeum besuchten, ließen sich als konfessionslos registrieren oder konvertierten zu christlichen Religionsgemeinschaften.
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Julia Feinberg war 1924 einzige Schülerin in einer Jungenklasse des Gymnasiums. Bildmitte Direktor Dr. Wilhelm Israel.Foto: Schularchiv
So wurde die Schule verwaltet
Oberursel gehörte zur Provinz Hessen-Nassau des Landes Preußen. Die städtische Oberrealschule unterstand bis 1935 der Schulaufsicht des Oberpräsidenten und dort des Provinzialschulkollegiums.
1925 kam es in Preußen zu einer umfassenden Schulreform für die höheren Schulen. Postuliert wurden der Zugang zur Bildung für jeden, die Aufhebung der Gegensätze zwischen den einzelnen Schulformen durch Schaffung einer Einheitsschule, die Durchdringung der Bildung mit kunsterzieherischen, staatsbürgerlichen und sozialen Erziehungsgedanken, eine größere Selbstständigkeit der Schüler und mehr Freizeit durch Verkürzung der Wochenstundenzahl.
Als Schulträger beaufsichtigte die Stadt Oberursel die städtischen höheren Lehranstalten über den sogenannten Schulausschuss, dem je drei Vertreter des Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung und der Bürgerschaft und vier der Schulen angehörten, darunter die beiden Schulleiter.
Schulleiter der Oberrealschule war von 1917 bis 1924 Dr. Wilhelm Israel, dem nach dessen plötzlicher Versetzung 1924 interimistisch dessen Stellvertreter Johannes Schreiner folgte. Von Januar 1925 bis zu seinem plötzlichen Tod im Dezember 1932 stand Studiendirektor Carl Müller an der Spitze der Schule. Er stammte aus Kassel, studierte in Marburg und Würzburg Erdkunde, Mathematik und Physik, unterrichtete von 1908 bis 1925 in seiner Heimatstadt Kassel und war Kriegsteilnehmer von 1914 bis 1918. 1932 bis 1934 übernahm wieder interimistisch Johannes Schreiner das Schulleiteramt.
Das Lyzeum leiteten unter städtischer Regie von 1901 bis 1923 Josef Koulen, 1923 bis 1924 interimistisch Dr. Michael Christ, ab 1924 bis zur Auflösung Dr. Peter Wachter.
Die Schulleiter der Oberrealschule wohnten bis Ende der Sechzigerjahre mit ihren Familien in der Direktorenwohnung der Schule und hatten dort sogar einen eigenen kleinen Garten. Im Schulgebäude lebten auch die Hausmeister mit ihren Familien. Sie organisierten den Reinigungs- und Schließdienst und erledigten alle üblicherweise anfallenden Hausmeisterarbeiten.
In den Klassen wurden Elternbeiräte gewählt, die Elternversammlungen abhielten. Der Elternbeirat kümmerte sich besonders um Geld- und Sachspenden für Schul-und Klassenaktivitäten. Die Schüler wählten Klassen- und Schulsprecher, die im Rahmen der „Schülerselbstverwaltung“ organisatorische Aufgaben übernahmen. Von verstärkter Mitsprache in Schulangelegenheiten ist nicht die Rede.

Autor: Dr. Christoph Müllerleile, mit Material von Alexander Gramse, Angelika Rieber, Jutta Niesel-Heinrichs und Sebastian Wülfert

abiturzeitung-mulus-eingebildeter-abiturient-karikatur-brill-1926

Abiturzeitung vom 13. März 1926. Zeichnung der Abiturientin Annegret Brill. Reifeprüfung war am 3.März mit zehn Prüflingen, die alle bestanden.

Verwendete und zitierte Quellen
„Was ist ein Abiturient?“ In: Bier-Zeitung der Ober-Prima der Oberurseler Oberrealschule 1920-21. Oberursel: Als Manuskript gedruckt. Februar 1921. (Stadtarchiv Oberursel).

Baeumerth, Angelika: Oberursel am Taunus. Eine Stadtgeschichte. Frankfurt am Main: Verlag Waldemar Kramer, 1991.

Bericht über den Stand und die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Oberursel (Taunus) in der Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1918, 1919, 1920, 1921, 1922, 1923, 1924, 1925, 1926 – 1927. (Stadtarchiv Oberursel)

Bericht über die Schuljahre 1924/25, 1925/26, 1926/27, 1927/28, 1928/29, 1929/30 der Städtischen Oberrealschule zu Oberursel (Taunus), erstattet vom Studiendirektor Müller. Oberursel: als Manuskript gedruckt. (Stadtarchiv Oberursel)

Gymnasium Oberursel – 50 Jahre 1913 – 1963. (Jubiläumsschrift mit Berichten über die Ereignisse vor, während und nach dem Schulfest zum Schuljubiläum), Oberursel: Gymnasium Oberursel, 1964.

Jahresbericht über das Städtische Lyzeum zu Oberursel (Taunus) für das Schuljahr 1926/27, erstattet von Dr. Peter Wachter. Oberursel: als Manuskript gedruckt, 1927. (Jutta Niesel-Heinrichs)

Müllerleile, Christoph: 50 Jahre Gymnasium Oberursel. Unsere Welt-Sonderausgabe. Unabhängige Schülerzeitung in Bad Homburg und Oberursel, 1963.

Mulus. Abiturzeitung von 1926. (Jutta Niesel-Heinrichs)

Verwaltungsbericht der Stadt Oberursel (Taunus) für die Jahre 1930 bis 1959. (Stadtarchiv Oberursel)

Mündliche Zeitzeugenberichte:

Dr. Käte Müllerleile-Weis, Helmut Reutter, beide Oberursel, und zahlreicher ehemaliger Schülerinnen und Schüler, denen der Autor im Laufe von mehr als sechs Jahrzehnten in Oberursel begegnet ist, darunter Verwandter, die Oberrealschule und/oder Lyzeum besuchten, und Pädagogen wie Karl Koch und Dr. Helmut Petran.

Geschichtsdaten
Daten Deutschland-/Weltgeschichte:
1919 Pariser Konferenz zur Neuordnung Europas, Versailler Vertrag, Weimarer Verfassung
1923 Krisenjahr: Ruhrbesetzung, Inflation und Hitlerputsch
1925 Preußische Schulreform für höhere Schulen
1926 Beitritt Deutschlands zum Völkerbund
29.10.1929 Beginn der Weltwirtschaftskrise

Daten zur Schul-/Orts-/Kreisgeschichte:
1923 Lyzeums-Schulleiter Josef Koulen geht in den Ruhestand
1924 Versetzung des Leiters der Oberrealschule Wilhelm Israel. Dr. Peter Wachter wird Leiter Lyzeum
1925 Carl Müller wird Leiter der Oberrealschule
1926 Amtsübergabe von Bürgermeister Josef Füller an Karl Horn
1927 Inbetriebnahme des Chemieübungsraums an der Oberrealschule
1929 Eingemeindung von Bommersheim nach Oberursel. Gründung einer Ortsgruppe der NSDAP.
1931 Auflösung des Lyzeums, Zusammenlegung mit Oberrealschule
1932 Tod von Schulleiter Carl Müller.

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Eine gekürzte Fassung des Artikels erschien unter „1918 - 1933 Die Zeit der Weimarer Republik“ in: Volker Räuber (Hrsg.): Festschrift 100 Jahre Gymnasium Oberursel - 1913 - 2013 gestern, heute, morgen. Oberursel: Gymnasium Oberursel, Eigenverlag, 2013, S. 34 - 47.